Bern ist wunderbar

Zwei Wanderbegeisterte aus dem Iran und Afghanistan haben im Anschluss an unsere Wanderung vom 20. Juni 2019 von Murzelen zum Wohlensee diesen einzigartigen Bericht geschrieben. Wir veröffentlichen diesen ausnahmsweise originalgetreu und daher ist er nicht ganz fehlerfrei. Wir gratulieren und danken Soheil und Arif für die grossartige Beschreibung ihrer Erlebnisse.

Bern ist Wunderbar

Soheil & Arif

Iran & Afghanistan

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Kurzporträt: Abdi Jailan

Kannst du dich bitte kurz vorstellen? Seit wie vielen Jahren bist du in der Schweiz?…

Mein Name ist Abdi. Ich komme aus Äthiopien. Ich bin 26-jahre alt und seit drei Jahren in der Schweiz.

Was machst du und womit beschäftigst du dich in deinem Alltag?

Ich habe 11/2 Jahre bis der SBB (Reinigung) gearbeitet und ich arbeite heute bei HandsOn und besuche auch dort einen Deutschkurs.

Ich spiele mit zwei Fussballteams,  einer eritreisch-arabischen und einer Schweizergruppe.

Zudem warte ich täglich auf Antwort vom Migrationsdienst und möchte gerne in der Schweiz bleiben.

Wie hast du dich hier in Bern vernetzt?

Meine ersten Kontakte habe ich in der Asylunterkunft und im Deutschkurs geknüpft und war am Anfang aus Sprachgründen oft mit Kollegen aus Äthiopien. Dann habe ich gehört, dass man in der Heiliggeistkirche gratis Kaffee trinken kann und dort habe ich verschiedene Menschen kennengelernt, um deutsch zu lernen und Antworten auf meine Fragen zu finden.

Wie hat dein Tandem mit Pablo angefangen?

Das Tandem hat die Heilsarmee vermittelt. Ich habe meinem Chef gesagt, ich möchte ein Tandem machen, um Deutsch zu üben und das soziale Leben in der Schweiz kennenzulernen. Pablo hat sich gemeldet und  unser Tandem läuft sehr gut. Das gefällt mir sehr. Wir treffen uns regelmässig. Er ist bereit, die Leute, die aus dem Ausland gekommen sind, zu unterstützen und ich mache alles gerne mit.

Wie hast du das Projekt «Wandern für alle» kennengelernt?

Pablo hat das Projekt bei der Kollektivunterkunft Viktoria «Löscher» entdeckt und mich zur Wanderung mitgenommen. Meistens komme ich mit Pablo zusammen. Ich treffe Leute, die aus verschiedenen Ländern gekommen sind und auch viele SchweizerInnen. Ich verbessere mein Deutsch und erfahre mehr über den Alltag in der Schweiz und die verschiedenen Länder.  

Bei der Arbeit und bei der Kurs treffe ich meistens die gleichen Menschen und ich will auch Neue kennenlernen. Ich freue mich jedes Mal bei den Wanderungen neue Kontakte und Freundschaften zu knüpfen.

Hast du weitere Pläne für die Zukunft?

In meinem Land habe ich als Automechanikerassistent in einer Garage gearbeitet. Wegen dem N-Ausweis ist es für mich schwierig hier weiter in diesem Bereich eine Ausbildung zu machen und zu arbeiten. 

Als Erstes möchte ich mein Deutsch verbessern und mehr über die Schweiz erfahren. Gerne würde ich Autofahren lernen, um den Fahrausweis zu bekommen.

Wandern – Ausleihen

Mein Name ist Sonja Bustamante, ich bin Schweizerin (51). Auf facebook wurde ich durch Lucify.ch auf das „Wandern für alle“  von isa Bern aufmerksam. Die Idee, mit Leuten aus unterschiedlichen Ländern zu wandern, finde ich super und so war ich auch schon bei der letzten Wanderung von Englisberg nach Toffen dabei. Es war sehr kurzweilig und es ergaben sich immer wieder neue Gespräche. 

So erfuhr ich von jemandem, dass es ihnen nur privat erlaubt ist, ihre Muttersprache zu sprechen. In öffentlichen Betrieben, wie z.B. in einer Bank, müssen alle die Amtssprache sprechen. Eine freie Meinungsäusserung werde zum Teil mit dem Gefängnis bestraft.

Hierzulande ist dies unvorstellbar. Wir haben sogar die Freiheit, uns zu entscheiden, wofür wir uns engagieren möchten. Ich habe mich für die Nachhaltigkeit und gegen den Wegwerfkonsum entschieden. Deshalb arbeite ich freiwillig in der Leihbar, welche Gegenstäne ausleiht (Infos und Sortiment auf leihbar.ch).

Es bereitet mir viel Freude, zu sehen, wie begeistert die Mitglieder unseres Vereins (Jahresbeitrag) immer wieder Neues ausprobieren, vom Werkzeug über Haushaltgeräte. Mein Favorit ist bis jetzt die Creperie, welche Dir frische Crepes direkt auf dem Tisch bäckt.

Es würde mich freuen, wenn auch Du bei der Bibliothek für Gegenstäne vorbeischaust.Oder vielleicht sehen wir uns bei einer nächsten Wanderung von „Wandern für alle“.

Sonja Bustamante

Lieber Bach mir gefällt dein Gesang!

An einem sonnigen Tag war ich mit der Kerngruppe rekognoszieren. Beim Spazieren habe ich eine lebendige Stimme gehört: einen Bach – wie ein Bach-Konzert.

Es hat mir schon rein körperlich sehr gut getan und ich fühlte mich inspiriert und habe ein Video gemacht. Manche Erlebnisse sind unvergesslich!

Wir sind im Wald ein bisschen weiter gegangen und dann gab es eine grossartige Aussicht auf Wiesen und Hügel.Ich konnte sehr gut atmen und es einfach geniessen.Dann kamen wir wieder in den Wald und ich habe andere Stimmen gehört. Ja, an diesem Ort gab es ein Vogel-Konzert. Es ist immer schön zu hören,wie ein Konzert mit so vielen verschiedenen Vogelstimmen klingt. Ich empfehle euch allen in die Natur zu gehen und diesen schönen Stimmen, die wie ein grosses Konzert tönen, zuzuhören.

Man kann die Musik geniessen und alle negativen Gedanken loswerden!

Diese Konzerte zu erleben ist sogar kostenlos!

Liebe Grüsse

Aida  

Ich komme aus dem Iran und bin seit über einem Jahr in der Schweiz. Die Wanderung über den Gürbetaler Höhenweg ist meine zweite Wanderung.

Ich freue mich bei diesem Projekt neu dabei zu sein.

Gürbertaler Höhenweg

Wanderung von 27.05.2019

Die Zeichnung von Christian Bühler

Für unsere zweite Wanderung hatten wir grossartiges Wetterglück und waren die grösste Gruppe je. Wir fuhren mit Tram und Postauto bis in das kleine Dorf Englisberg und wanderten mit 28 Personen (13 Frauen, 13 Männern, zwei Kindern) aus zehn Ländern (Amerika, Äthiopien, Bolivien, China, Ecuador, Eritrea, Iran, Spanien, Sri Lanka und der Schweiz) über den Gürbetaler Höhenweg.

Wir spazierten über saftige Wiesen und Äcker, entlang von Kornfelden und blumengeschmückten Bauernhöfen, Ofenhäusern und Speichern und erlebten das Rauschen der Bäche und die Vogelkonzerte. Speziell interessant war der Teufelstein, den wir am Waldrand bei Winzenried entdeckten. Der stattliche erratische Block wurde vor Jahrtausenden vom Aaregletscher hier abgelagert. Stets wechselten unsere Ausblicke auf die Agglomeration Bern, den Belpberg, zum Emmental und zu den Berner Alpen. Die Gipfel waren schneebedeckt und etwas in den Wolken versteckt.

Unser Picknickplatz auf einem Hügel mit Kühen und grossartiger Weitsicht war für die Gruppe etwas eng. Dafür lernten sich alle gut kennen, teilten und tauschten sich aus. Auf der Bank entstand sogar eine schöne Zeichnung!

Die Gruppenzusammensetzung, das Wetter, die Landschaft – alles hat gepasst und wir haben es genossen!

美好的回忆

Eine schöne Erinnerung

Ich bin Jia Xiuzhi und komme aus China. Seit fünf Jahren arbeite ich in einer Praxis für Akupunktur in Bern und lerne fleissig Deutsch.

Nun wollte ich mich bei BENEVOL für Freiwilligenarbeit bei alten Menschen engagieren. Ich habe in der Schweiz noch nicht viele Leute kennengelernt und möchte besonders gerne ältere Leute treffen, denn meine Eltern sind schon früh gestorben und die Konversation mit erfahrenen Menschen bedeutet mir viel. Das Benevol-Team hat mir dann empfohlen, dass die Wandergruppe auch eine gute Idee ist, um Kontakte zu knüpfen, Deutsch zu üben und zu sprechen.

In China ging ich oft wandern, denn ich komme von einer kleinen Stadt in einer sehr schönen Umgebung. Auch in China ist Wandern eine Freizeitbeschäftigung, allerdings nicht für alle.

In der Schweiz habe ich am 26. April zum ersten Mal beim Wandern teilgenommen und ich bin trotz Kälte mit der Gruppe auf den Lisiberg und Zingghöch gestiegen. Das war ein wunderschönes Erlebnis und bleibt eine tolle Erinnerung. In der Wandergruppe habe ich Lisa, ebenfalls eine Chinesin, und viele nette Leute kennengelernt. Alle sind sehr nett und humorvoll. Wir haben uns intensiv unterhalten und gelacht. Es interessiert mich ganz besonders, mehr über verschiedene Berufe, Arbeitsorte, Ausbildungen und unterschiedliche Meinungen zu erfahren.

Am Anfang war das Wetter kalt, der Himmel stark bewölkt und die Luft ganz frisch. Die Landschaft blieb immer sehr schön und die Bergkette gefiel mir gut, auch wenn sie von Wolken umgeben war. Pablo hat mit Humor gesagt, dass wir gemeinsam «beten» sollten, um das Wetter zu verbessern. Das hat tatsächlich geholfen und langsam ist das Wetter wirklich besser geworden!

Die Wanderkolleginnen und Kollegen haben alles gut vorbereitet, wir haben zusammen Mittaggegessen und einen Apfel genossen: «an apple a day keeps the doctor away» – das sagt man auch in China, denn die Gesundheit ist sehr wichtig auf der ganzen Welt!

Hier die Eindrücke von meiner neuen Freundin Lisa: Ich habe von dieser Wandergruppe von meiner Schule ILS-Deutschkurs gehört und bin schon zwei Mal mit der Gruppe gewandert. Ich finde, die Gruppe super! Jedes Mal habe ich neue Freunde kennengelernt und neue Plätze entdeckt. Mit den Leuten beim Wandern zu sprechen macht viel Spass und lässt mich mehr über die Schweiz und die Kultur lernen. Gleichzeitig verbessert die Aktivität meine Deutschkenntnisse.

Ich möchte mehrere Male beim Wandern teilnehmen und mit der Wandergruppe weitere Wege entdecken. Vielleicht treffe ich auch neue Bekannte, die mit mir am Wochenende wandern kommen, das wäre für mich super! Wer möchte mitkommen?

Jia Xiuzhi
chinajiaxiuzhi@gmail.com
Mobil: 078 825 01 90 

Freundschaften und Pingpong

„Wandern für alle“ ist ein echter Weg für die Integration in Bern. Ich bin seit zwei Jahren und vier Monaten in Bern. Bevor ich die Gruppe kennengelernt habe, hatte ich wenig Freunde. Mit diesen Freunden hatte ich nicht viel gemeinsame Interessen aber seit ich die Gruppe „Wandern für alle “ kenne, habe ich das Programm weiter empfohlen. Jetzt kann ich mit meinen Freunden wandern gehen und wir haben neue Freundschaften geschlossen. In der Gruppe haben wir über eines unserer Hobbys, Tischtennis, gesprochen. Wir haben Leute, die auch mitspielen möchten, getroffen. Es ist super toll!

Wer Interesse hat mit uns Tischtennis zu spielen, kann sich bei uns melden. In verschiedenen Quartieren der Stadt Bern gibt es Pingpongtische. Wir haben Schläger und Bälle, doch es ist praktisch, wenn Ihr eure eigenen mitbringt, falls Ihr habt.
Meldet Euch!

Bis bald,

Daniel Engonga 
Äquatorial Guinea
simadaniel831@gmail.com
076 348 60 09